Pappnase des Monats April 2013

Demontage
„Uli Hoeneß ist eine lebende Legende. 1974 erschien er – als einer der ganz wenigen lebenden Menschen – auf einer Briefmarke der Bundespost. Nach seiner Karriere als Profi-Fußballer verhalf er nicht nur seiner eigenen Wurstfabrik, sondern auch dem FC Bayern München als Manager und Vereinsvorsitzender zu durchschlagendem Erfolg. Doch Uli Hoeneß vermochte es stets, in der Öffentlichkeit nicht als kalter Kapitalist, sondern als Mann mit großem Herz dargestellt zu werden. “Ich bin der sozialste Mensch, den ich kenne”, sagte Hoeneß einst gänzlich unbescheiden in einem Interview des Tagesspiegels. Sein soziales Engagement in seinem unmittelbaren Umfeld ist unbestritten. Für aktuelle und ehemalige Profis des FC Bayerns zeigte Hoeneß stets ein großes Herz und spätestens seit seinem Engagement für den vom Konkurs bedrohten Klub FC St. Pauli galt Hoeneß auch bei Fußballfans mit einer anderen Weltanschauung als Kapitalist mit dem Herzen am rechten Fleck. Wie man sich doch täuschen kann.
Noch 2005 sagte Hoeneß: „Ich weiß, dass es doof ist. Aber ich zahle volle Steuern“. Drei Jahre zuvor beglückte er das Land mit der Weisheit, es könne „doch nicht der Sinn der Sache sein, ins Gefängnis zu wandern, nur um ein paar Mark Steuern zu sparen“. „Es ist doch unklug, so was zu machen. Es kommt doch immer alles raus“. Wie recht Hoeneß mit diesen Sätzen doch hatte. Im Nachhinein klingen solche Sätze schizophren. Der Mann, der einst Oskar Lafontaine seine soziale Kompetenz aufgrund dessen – vergleichsweise bescheidenen – Vermögen absprach, hat offenbar selbst jahrelang Wasser gepredigt und Wein gesoffen.“
 
Doppelmoral
„….ein entscheidendes Detail wird dabei jedoch vergessen. Nach Informationen der SZ stammt der Grundstock von Hoeneß Spekulationskasse aus einem „Darlehen“ in der Größenordnung „von 10 bis 15 Millionen Euro“, das Hoeneß „um das Jahr 2000“ herum vom damaligen Adidas-Chef und –Großaktionär und Hoeneß-Freund Robert Louis-Dreyfus erhalten haben soll.
Dabei stellt Steuerhinterziehung in der bürgerlichen Doppelmoral offenbar immer noch eine Art „Selbstverteidigung gegen den Staat“ dar. Es ist unwahrscheinlich, dass es Personen wie Uli Hoeneß dabei „nur“ um das Geld an sich geht. Gier ist hier offenbar nicht der entscheidende Triebfaktor. Die Hoeneß dieser Welt sind vielmehr überzeugt davon, dass der Staat mit „ihrem Geld“ keine sinnvollen Dinge anstellt und sie lieber selbst zu entscheiden sollten, für welche Wohltaten „ihr Geld“ verwendet wird. Für Menschen, die stets in Selbstzufriedenheit baden, ist es offenbar schwer hinzunehmen, dass ein bürokratischer Beamtenapparat ihnen derart „elementare“ Entscheidungen abnimmt. Und mit der positiven PR, die jede öffentliche zelebrierte Großspende mit sich bringt, kann der Steuerbescheid auch nicht mithalten. Wer meint, Gesetze nach dem eigenen Gusto umzubiegen und das Strafgesetzbuch für sich selbst als unverbindliche Empfehlung zu interpretieren, hat jedoch auch jedes Recht verspielt, in der Öffentlichkeit als Moralapostel aufzutreten.

Und aus dem Spiegel:

„Hoeneß hatte laut eigener Aussage ursprünglich geplant, die Angelegenheit über das Deutsch-Schweizer Steuerabkommen zu regeln, das dann Mitte Dezember 2012 nicht zustande gekommen sei. SPD und Grüne hatten das von der schwarz-gelben Bundesregierung ausgehandelte Abkommen in Bundesrat und Vermittlungsausschuss abgelehnt. Über das Steuerabkommen hätten Personen, die in der Schweiz nichtversteuerte Gelder liegen haben, dies mit einer für den deutschen Fiskus anonymen pauschalen Einmalzahlung legalisieren können.
„Hoeneß hatte darauf gehofft, dass seine Steuerhinterziehung durch das von der schwarz-gelben Bundesregierung geplante deutsch-schweizerische Steuerabkommen legalisiert worden wäre und er dabei anonym hätte bleiben können“, sagte Joachim Poß, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. „Er wird nicht der einzige bleiben, dessen Hoffnungen auf das Abkommen der schwarz-gelben Bundesregierung nun zerplatzen.““

……….

[Quellen:http://www.nachdenkseiten.de/?p=16976
http://www.spiegel.de/sport/fussball/fc-bayern-hoeness-soll-angeblich-unvorstellbares-vermoegen-verheimlicht-haben-a-895568.html]

 

Teilen
Share

Kommentar verfassen

Share