Generation „Kopf runter“? Abschalten!

40 Tage

Geistige Reinigung – vom digitalen Wahnsinn

 

Der Anlass

Der digitale Wahnsinn hat uns alle. Und er tut uns nicht gut. Er hält uns Menschen dauerbeschäftigt, füttert dich mit mehr oder weniger nutzlosen, halbwahren und vor allem aber überwiegend negativen Informationen. Die Leitmedien und die sozialen Medien haben Macht. Macht über dein Denken, dein Verhalten, deinen Konsum, über deine „politische Korrektheit“. Ich schau schon seit langem kein Fernsehen mehr, kein Radio, keine Nachrichten. Facebook meide ich mittlerweile auch und reduziere den Aufruf der sozialen Medien auf  1mal im Monat.

Trotzdem weiß ich leider immer ganz genau, was in der Welt los ist, was in aller Munde ist, und was die Aufreger der Woche sind…. Ich wollte – ganz bewußt – nur noch alternative Medien nutzen und die digitale Abhängigkeit soweit wie möglich minimieren. Mein Smartphone kommt fast ohne Apps aus, wird überwiegend nur als Navigationssgerät und Wetteranzeige und zum, man staune: Telefonieren genutzt. Alles andere – mache ich ohne „Brett vorm Kopf“.

Trotzdem haben mich die negativen Nachrichten, Stressauslöser und Angstauslöser im Griff – im digitalen Griff wohlgemerkt. Ich stellte erschreckend fest: negative und Sorgen bereitende Informationen – wohin man auch schaut! Kein Wunder, dass die gute Laune, die Zuversicht und das Gefühl, dass die Welt noch irgendwie in Ordnung ist oder man etwas ändern könnte, vielen abhanden kommt.

 

Letzte Woche hat es mich erwischt. Digitale Ex und Hopp Konfrontation. Nach 3 Tagen Dauerbetankung mit solcherlei Nachrichten, habe ich noch 2 weitere Tage aufmerksam darauf geachtet, ob denn wirklich die digitale Vergiftung mögliche Ursache sein könnte.

Sooo viel Input: Twitter – Google+ – E-mails – Newsletter – SMS – Webseiten – Blogs –  Nachrichtenportale – Facebook- sie alle waren voll davon. Angefüllt mit negativen Nachrichten, Warnungen, Szenarien, Augenwischerei, Hetze, Lügen, Propaganda und Halbwahrheiten. Man kann sich nicht digital bewegen, ohne damit konfrontiert zu werden. Selbst Katzenbilder oder Blümchen und Garten-Seiten helfen nicht, diese Masse auszugleichen.

40 Tage Geistige Reinigung

Brauche ich das? Nein.

Will ich das? Defintiv nein.

Warum tue ich es dann?

Der einzig konsequente Selbstversuch dazu ist, all diesem zu entsagen.

 

Warum 40?

Die Zahl 40: Symbolkraft seit Jahrhunderten

Die Zahl 40 steht für einen Zeitraum, der zu Buße und Besinnung auffordert, der Wende und Neubeginn ermöglicht. Sie wird gebildet aus dem Produkt von 4 und 10. Die 4 steht dabei üblicherweise für das Weltumspannende, Irdische und Vergängliche. Sie symbolisiert die Himmelsrichtungen, die Elemente Feuer, Erde, Wasser, Luft, die Lebensphasen Kindheit, Jugend, Erwachsensein, Alter und die menschlichen Temperamente. Die 10 gilt als Zahl des in sich Vollendeten, Ganzen: Sie ist die Summe der ersten vier Ziffern 1 + 2 + 3 + 4, bezeichnet die Zahl der Finger und gilt als Symbol des Kreises. Sie dokumentiert ihren ganzheitlichen Anspruch nicht zuletzt in der biblischen Zahl der Zehn Gebote.

40 Tage lang erstreckt sich auch die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern. Dabei werden die Sonntage nicht mitgezählt (an ihnen darf nicht gefastet werden). Die Zahl 40 hat in der jüdischen und biblischen Überlieferung eine hohe Symbolkraft. Immer wieder findet sie sich in den Schriften des Alten und des Neuen Testamentes.

So ergoss sich der Regen der Sintflut 40 Tage und 40 Nächte auf die Erde. Auch wartete Noah, nachdem die ersten Berge wieder sichtbar wurden, 40 Tage. Erst dann öffnete er das Fenster der Arche, um den Raben heraus zu lassen. Das Volk Israel wanderte nach dem Auszug aus Ägypten 40 Jahre durch die Wüste und durchlief damit eine Zeit der Läuterung. Moses war Gott auf dem Berg Sinai 40 Tage nahe. Die Stadt Ninive hatte 40 Tage, um ihre Sünden zu bereuen. Und auch Jesus ging 40 Tage in die Wüste, um sich durch Gebet und Fasten auf seine Aufgabe vorzubereiten. Zwischen seiner Auferstehung und Himmelfahrt lagen laut Lukas-Evangelium 40 Tage.

 

Die Aufgabe

40 Tage – keine negativen Dinge lesen, ansehen oder ihnen zuhören. 40 Tage sich nicht aufregen, nicht ängstigen, nicht impfen und nicht hetzen lassen. Wie wird es einem gehen, nach 40 Tagen geistiger Reinigung und Vermeidung dieses täglichen digitalen Wahnsinns?

Ich habe also die restlichen Apps auf meinem Handy gelöscht. Die Newsletter fast alle abbestellt, sämtliche Benachrichtigungen ausgestellt (Twitter, Google + Co), und meine nahen Mitmenschen informiert, damit auch sie mich nicht mit einem „hast du schon gehört, dass….“ in den nächsten 40 Tagen überraschen.

 

Tag 1

  1. Juli. Der erste Tag war eine einzige Herausforderung. Das Handy klingelte zu oft. Diverse anonyme Nummern – wie ich es liebe. 2 Termine, ein voller Briefkasten mit dringlichen, negativen Mitteilungen und damit verbundene Arbeit und Recherche, die ohne Aufschub schriftlich erledigt werden musste. Dann der Abend – Freude auf ein entspanntes Zuhause sein. Vorfreude auf Ruhe und Entspannung. Hey, ich muss ja keine E-mails abholen oder sonstiges Lesen, was wieder alles brennt in der Welt. Ich kann ja ganz locker und gelöst den Abend verbringen. Leider hatte ich die Rechnung ohne meinen über mir wohnenden Nachbarn gemacht. Dieser hatte just an meinem ersten Tag von 40 Partylaune. Randale und Gegröle und Getrampel bis nachts halb 3. Wie war das? Ich wollte mich nicht ärgern, nicht aufregen, nicht meckern….. hmmmm.

Eine echte Herausforderung. Flucht aus den eigenen 4 Wänden, weil es nach mehreren Stunden nicht mehr zu ertragen war. So hatte ich mir den ersten Tag eigentlich nicht vorgestellt.

Tag 2

Lang geplante Autofahrt nach Willich. Herausforderung heute: der Straßenverkehr und meine lieben Mitmenschen, die als Verkehrsteilnehmer teilweise meinen eine Art offenen Krieg und Penisvergleich auf Deutschlands Straßen austragen zu müssen. Wer ist der Feind? Und warum verdammt, haben so viele beidseitig einen defekten Blinker, kennen die Vorfahrtregeln nicht und haben noch nie vom Reißverschlussverfahren oder Sicherheitsabstand gehört? Nicht ärgern, nicht hetzen lassen… Puh!

Tag 5

Heute waren wir 2 Stunden spazieren. Im Wald. Und auf Feldwegen. Bei strömendem Regen. Nichts bringt mich aus der Ruhe. 40 Tage keine Wetterapp. (-;  Regenschirm dabei. Nutzt ehrlich gesagt im Laufe von 2 Stunden auch nicht viel. Aber: herrlich allein, viele Tiere, Ruhe pur, wunderbare Waldluft im Regen. Ok, die Jacke durchgeweicht und die Hose nass bis zu den Knien. Aber was solls. Mir fällt heute schon auf, digital gesehen – ich vermisse nichts.

Tag 11

Gar nicht so einfach. Wenn man keine (negativen) Nachrichten hören will, muss man zeitweise raus stürmen. Mir ist noch nie vorher so bewußt aufgefallen, in wievielen Supermärkten oder Kaufhäusern man mit Nachrichten/Radio beschallt wird. Mein Lieblings-Edeka um die Ecke hat gottseidank eine rücksichtsvoll leise Musik dezent im Hintergrund laufen. Ein hoch auf säuselnde Fahrstuhlmusik.  Das nächste Edeka, 5 Minuten von hier, beschallt mich mit unüberhörbar lauten Nachrichten. Ebenso Kaufland. Ebenso Rewe. Das wird mich in den nächsten 29 Tagen nicht mehr sehen. (-; Ansonsten hat sich gezeigt: die Vermeidung der vollen und halbstündigen Uhrzeiten macht Einkaufen und Besorgungen zu erledigen fast über all möglich. Bioläden und Hofläden hingegen scheinen „beschallungsfrei“ zu sein. Ich sortiere und nehme bewußt wahr, wie „Ruhe“ mein Freund wird. (-:

::: Fortsetzung folgt :::

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Quellen:
– https://www.domradio.de/themen/fastenzeit/2014-03-04/die-zahl-40-hat-im-christentum-eine-hohe-symbolkraft

 

 

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