Das vergessene Wort: HERZENSBILDUNG

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9. Herzensbildung (19./20.Woche 2015)

Die Bildung des Herzens, die „Herzensbildung“ ist vielleicht das Menschlichste an uns, das was uns menschlich sein lässt. Das Prinzip Hoffnung und das Verzeihen, beides unmöglich ohne Herzensbildung. Eine Ausbildung des Herzens geschieht während des Lebens, auch wenn sie manche vielleicht schon von der Wiege an im Herzen tragen. Zum ersten Mal – und noch viele Male danach-  hörte ich das Wort Herzensbildung von meiner Urgroßmutter: „Dieser Mensch hat keine #Herzensbildung!“, und ich hatte das Gefühl, ohne zu wissen was Herzensbildung bedeutet, dass die Seele dieses Menschen irgendwie verloren war und er ein ungeheurer Schuft sein musste.

„Herzensbildung – das ist ein Wort aus der deutschen Klassik. Friedrich Schiller sprach oft davon, Wilhelm von Humboldt bevorzugte den Ausdruck „Bildung des Gemüths“. Das Herz galt als Sitz von Gefühl und Gemüt, und noch heute benutzen wir Ausdrücke und Zeichen, die sich dieser Topographie verschreiben: Wer liebt, verschenkt Ringe oder Schokolade in Herzform; wer Liebeskummer hat, dem wurde das Herz gebrochen, und es schmerzt ihn am und im Herzen. Wer glücklich ist, dem weitet sich das Herz, und wer trauert, dem krampft es sich zusammen.“

Ästhetik, Kunst, Musik – manche Dinge fördern und fordern unser Herz schon in der Kindheit und bilden es aus – ohne dass Worte dazu nötig sind. Wenn einem Kind dies fehlt, oder vorenthalten wird – kann es dann seine Herzensbildung ausprägen? Ich persönlich vermute z.B. dass ein Wirtschaftsunternehmen sehr erfolgreich führen und Herzensbildung haben sich gegenseitig ausschließen. Und Menschen mit viel Herzensbildung – wie sind sie groß geworden? Nachgefragt hört man immer wieder: sie haben Märchen vorgelesen bekommen, sie haben gemalt und gebastelt, sie haben viel Musik hören können, sie haben mehr akustische als visuelle Eindrücke verarbeiten dürfen. Sie haben selbst  früh Entscheidungen treffen und ausbaden müssen. Sie haben Leid durchlebt und sind daran gewachsen. Sie haben frühzeitig anderen Wesen helfen und unterstützen können. Das Herz wurde ausgebildet….Stück um Stück.

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Was ist “Herzensbildung”?

Bei unserer “Herzensbildung” geht es um Persönlichkeitsentwicklung, und zwar im Hinblick auf mitmenschliche Qualitäten. Herzensbildung heißt Einfühlungsvermögen, sich selber gut zu kennen, andere zu respektieren, mitleiden zu können. Ein soziales Wesen zu werden. Sie ist die unverzichtbare Ergänzung zur reinen Wissensvermittlung!

Der Duden definiert sie uns als: „…durch Erziehung erworbener Besitz einer reichen und differenzierten Gefühls- und Empfindungsfähigkeit“.

Ob das „durch Erziehung“ allein so ausschlaggebend ist, ist fraglich, aber es kann umgemein helfen. Fehlt die gütige Erziehung und entsprechende LERN-Umgebung im positiven Sinne – fehlt dann nicht auch die Herzensbildung?

 

Herzensbildung ist nicht über den üblichen Bildungsweg zu erreichen, sondern sie macht vielmehr einen guten Menschen aus, niedrige Beweggründe sind ihm fremd, sein Geist ist rein und frei von Vorurteilen. Tiefes Mitgefühl für Mensch und Tier macht diesen Menschen aus. Ein eher vergeistigter Mensch. Ein gutes Herz haben….

Alles Böse liegt dir fern,
dein gutes Herz verzeiht so gern„.

Jemand sagt mal: „Herzensbildung ist in unser heutigen, oft kaltherzigen und ich-bezogenen Zeit eine „Perle“ unter den vielen angebotenen Bildungswegen = eine Ausbildung der Gefühle und des Verständnisses für die Gefühle anderer.
Einfühlungsvermögen. Mitgefühl. Toleranz. Umgangsformen und – Umgangston. Liebe – zu allem, was lebt!“

Und zum Schluß, dass klassische Zitat dazu:
„Man sieht nur mit dem Herzen gut“ (Antoine de Saint-Exupéry, aus „Der kleine Prinz“.

 

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Das vergessene Wort: EMPÖRUNG

8. Empörung (14./15.Woche 2015)

Empörung ist nicht halb so altmodisch wie es klingt, aber  möglicherweise doppelt so wichtig, wie man hinlänglich meint. (-; Wir sind viel zu selten „empört“, vor allem nicht da, wo es angebracht wäre. Empören leitet sich von einem mittelhochdeutschen Wort ab: „enboeren“ heißt der Ahnenstamm des Wortes. Es bedeutete schon damals soviel wie „(sich) erheben“ oder  „sich gegen etwas auflehnen“.

Übrigens ist es der mittelalterliche Begriff eng verwandt mit dem Wort „bor“ aus derselben Zeit, welches übersetzt „Trotz“ heißt. Beide Worte gehören zur Familie derer, die sich aus der indogermanischen Wurzel „bher“ entwickelt haben.

Empörung ist im ursprünglichen Sinne also nicht nur ein emotionaler Ausdruck des sich Entrüstens. Empören ist viel, viel stärker. Empört sein heisst, etwas verändern zu wollen. Empört sein heisst, etwas nimmt mich emotional  mit, so dass ich bereit und gewillt bin mich für oder gegen etwas einzusetzen. Auch im Duden finden wir als 2. Bedeutung: „ Aufstand, Rebellion, Meuterei“.

 

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Wenn wir empört sind, hat also etwas eine Grenze überschritten, hat uns etwas erzürnt und bringt uns etwas auf die Barrikaden. Empört sein bedeutet nicht, pikiert in der Ecke zu stehen oder sich im Hausflur klamm heimlich mit der Nachbarin über den  nicht geputzen Flur aufzuregen. Empörung heißt, ich bin schon einen Schritt weiter. Empört sein zu können heisst, ich habe Werte und bin emotional noch nicht so abgestumpft, dass mir Zuwiderhandlung egal ist, sondern ich kann Grenzüberschreitungen erkennen, und bin bereit dagegen zu rebellieren. Ich habe genügend gesunde Wut im Bauch, um tätig zu werden, um zu meutern und nicht stumpf Befehlen zu gehorchen. Es bedeutet, ich kann laut „Nein“ sagen wenn es nötig ist und ich erkenne Autoritäten nur bis zu einem gewissen Grad an.

All dies fehlt uns heute allzu oft. Wir zürnen, wir regen uns auf, wir erkennen vielleicht sogar den Zeitpunkt, wo es an der Zeit wäre sich zu empören und endlich einen Aufstand anzuzetteln oder sich zu widersetzen. Aber tun wir es? Nein, wir geben viel zu oft die Verantwortung ab, regeln unsere aufkochende Wut herunter, besänftigen oder lassen uns besänftigen und gehen wieder zur Tagesordnung über. Aber wenn ich ernsthaft empört bin, kann ich das dann überhaupt?

Empörung kommt auch von „Empor“, denn es ist das Aufrichten unter Druck, es erhebt sich dein Geist, der sich nichts mehr eintrichtern lassen will, „empor“ – in die Höhe schnellt dein Gerechtigkeitssinn und dein Bauchgefühl, das weiß, bei manchen Dingen, darf man nicht mehr wegsehen, Dein Blutdruck steigt empor…. Die Empörung ist also der erste Schritt, um endlich einen Schlussstrich zu ziehen und zu handeln.

 

Ich wünsche mir, eine Menge Menschen, die sich wieder empören können und wollen (-;

 

 

Das vergessene Wort Anstand

7. Anstand

Das vergessene Wort

Anstand oder Anständigkeit kommt von „anstehen, zaudern, zögern, innehalten“ (wer mit der Jagd vertraut ist, wird diesen Begriff auch kennen). Anstand oder Anständigkeit bedingt immer ein Gegenüber. Es ist eine Grundbedingung des Miteinanderlebens und Miteinanderumgehens. Wenn uns jemand sagt „wahre den Anstand“ bedeutet das „verletzte niemanden“. Es ist eine Aufforderung, den anderen  rücksichtsvoll, korrekt und mit Takt zu behandeln.

Vielfach höre ich, Anstand sei ja antiquiert und nicht mehr zeitgemäß. Hmmm. Ich fürchte, das ist leider wirklich so. Auch die 10 Gebote sind mehr oder weniger „Anstandregeln“. Ein Gefühl von Anständigkeit setzt voraus, dass ich über meinen eigenen Tellerand und mein eigenes Fühlen hinausblicke, dass ich empathisch bin und darauf achte, wie geht es dem anderen, was ist angemessen zu tun oder zu lassen. Jemanden anständig zu behandeln, setzt voraus, dass ich vorher innehalte und zaudere und mir die Zeit nehme, einzuschätzen was denn überhaupt anständig ist, dass ich vielleicht grundsätzlich überlege, ob es Werte gibt, die wichtig sind, nach denen ich mich zu richten bereit bin. Feingefühl und „gute Kinderstube“ haben sicher viel damit zu tun, ob ich mich mit Anstand benehme.

„Der Mensch darf niemals aufhören, Mensch zu sein. In aller Tätigkeit darfst du nie unpersönliche Energie, Ausführungsorgan irgend einer Sache, Beauftragter der Gesellschaft sein, sondern du mußt dich in allem mit deiner persönlichen Sittlichkeit auseinandersetzen, so unbequem, so verwirrend es für dich ist, und versuchen, in allem, was du tun mußt, nach der Menschlichkeit zu verfahren und die Verantwortung für das Los, das du einem andern Menschen bereitest, zu tragen.“

Das vergessene Wort

Das vergessene Wort: Mäßigung

Mäßigung

Das vergessene Wort: Mäßigung

Das Wort Mäßigung (lat. Temperantia) ist in unserer heutigen Zeit nicht nur vergessen sondern geradezu unbeliebt. Hat es doch etwas mit Selbstbeherrschung und Maß halten zu tun. Muss es immer die sofortige und totale Befriedigung eines Bedürfnisses sein? Müssen wir immer zu alles und möglichst schnell haben, am besten in unbegrenzter Menge?  Brauchen wir stetes Wachstum und Wohlstand in monoton steigender Kurve,  wie es uns die Politik vermitteln will? Nein, brauchen wir nicht. Es kann und darf nicht immer nur alles im Überfluß geben, und wer das Leben achtet und verstanden hat, der weiß auch, dass es in Amplituden verläuft, dass einem Sommer ein Winter folgen wird – immerzu Frühling ist Kappes.

Wie schon Hildegard von Bingen sagte: Mäßigung ist die Mutter aller Tugenden. Die Mäßigung liegt zwischen Begierde und Vernunft und Einsicht. Sie ist eine Kostbarkeit im menschlichen Miteinander und in Hinsicht auf unseren Planeten. Wenn ich gewillt bin, mich zu mäßigen, mich zurückzunehmen, dann erlaube ich an anderer Stelle (statt meiner) Wachstum, dann zeige ich Respekt und Wertschätzung gegenüber den Dingen, ob es nun um Ressourcen, andere Menschen, Tiere oder um unsere Mutter Erde geht.

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Das vergessene Wort der Woche: Demut

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Das vergessene Wort der Woche:  5. Demut

Demut hat viel mit Loslassen können zu tun.

Der Begriff Demut geht auf das althochdeutsche diomuoti = dienstmutig zurück. Darin sind die Wörter dienen und Mut enthalten. Die tiefere Bedeutung des Dienens kommt im litauischen Verb teketi = laufen, fließen, rinnen und im altindischen takti = eilt zum Ausdruck. Teketi und takti gehen auf dieselbe indogermanische Wurzel wie dienen zurück. Rinnen und fließen: Das sind Tätigkeiten des Wassers. Wasser beharrt nicht auf einer bestimmten Form. Ohne zu zögern fließt es in die Form, die seinem Dasein jeweils zukommt. Das Jeweils bezeichnet dabei stets die absolute Gegenwart. Wasser nimmt keine Form ein, um damit eigenwillig Zukunft zu bestimmen. Es gibt sich der jeweiligen Gegenwart hin; und erfüllt die Rolle, die es darin hat.

Demütig sein, bedeutet nicht, ein kriechender Wurm zu sein, der sich nicht wehrt und alles hinnimt. Es bedeutet im positiven Sinne zu dienen, einsatzfreudig zu sein und sich, wie das Wasser, der Gegenwart hinzugeben und vorwärts zu fliessen, und seine Kraft mit dem natürlichen Strom einzusetzen – nicht gegen ihn zu arbeiten.

Gaia – Mutter Erde – kann uns Demut lehren. Seelenvolle Demut ist Kraft und Ehrerbietung und Verständnis. Und Respekt. Diese Art von DEMUT fehlt vielen von uns.